Das Schwarze Quadrat

Über Mich

„Ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns.“

Franz Kafka

Kunst in der Krise?

Dieser Blog gründet sich in einer Zeit der Krisen, zivilisatorisch, ökologisch, ökonomisch. Obwohl die Idee zu diesem Blog schon länger in mir reifte, wähle ich doch einen besonderen Zeitpunkt, dieses Projekt umzusetzen. Nicht nur, weil ich im Moment Zeit und Muße finde, sondern insbesondere weil Kunst und Kultur nicht in die Krise geraten dürfen. Je länger Kunst und Kultur physisch nicht erreichbar sind, umso wichtiger ist es, die Kunst weiterhin zugänglich zu machen sowie Kunstschaffenden und Kulturinstitutionen Gehör zu verschaffen. Krisen bergen jedoch auch immer neue Möglichkeiten wie die Bildung neuartiger Netzwerke in der Kulturszene oder die digitale Kunstvermittlung. Nichts kann einen persönlichen Besuch ersetzen, doch können kulturelle Berichte über die Durststrecke hinweghelfen und auch nach dieser Zeit eine Eintrittskarte zur Welt sein, die sich hinter den Museumsmauern verbirgt.

Schwarzes Quadrat 1017x1024 - Über Mich
Kasimir Malewitsch: „Schwarzes Quadrat“, 1929, Staatliche Tretjakow Galerie, Moskau. Fotografiert in der Ausstellung „Ikonen. Was wir Menschen anbeten“ in der Kunsthalle Bremen.

Das „Schwarze Quadrat“ von Kasimir Malewitsch, welches zum ersten Mal im Dezember 1915 im Rahmen der Ausstellung „Letzte futuristische Gemäldeausstellung 0,10“ im damaligen Petrograd der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, gilt als Nullpunkt der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts und löste unter den zeitgenössischen Kunstkritikern Empörung aus. Als Meilenstein der Kunstgeschichte steht es für einen Neubeginn, das Absolute, die Freiheit vom Gegenstand.

Dieser Blog soll seine Leser für die Art von Kunst begeistern, welche neue Ansätze verfolgt und die Fäden der Geschichte aufnimmt, nur um sie gleich wieder zu zerreißen. Der Leser muss dabei kein Vorwissen besitzen oder bereits begeisterter Museumsbesucher sein. Vielmehr kommt es auf den Funken an, der sich in ihm entzündet und vielleicht sogar in der Lage ist, ein Feuer zu entfachen. Einleitend soll immer ein gänzlich subjektiver Eindruck, meine persönlichen Empfindungen und die Art meiner Erfahrung im Erleben eines bestimmten Kunstwerks, einer Ausstellung oder eines Künstlers stehen. In diesem Part möchte ich die Stimmung, die das Werk in mir ausgelöst hat und meine rein subjektiven Gedanken zum jeweiligen Werk äußern. Nach dieser beschreibenden Einleitung nähere ich mich der Thematik in einem zweiten Teil auf analytisch-interpretatorische Weise unter Einbezug biografischer, historischer, gesellschaftlicher und kultureller Bezüge.

Mit Kunst und Kultur aufgewachsen entschied ich mich für ein Studium der Kunstgeschichte und Germanistik. Mein persönliches Erweckungserlebnis für zeitgenössische Kunst ist auf die Biennale 2017 zurückzuführen. Wie eine Schatzsucherin bewegte ich mich durch die labyrinthischen Gassen von Venedig und fühlte auf meiner Entdeckungsreise zwischen den Deckenfresken von Tintoretto und den kosmisch-konstruktivistischen Installationen von Alicja Kwade alle Fäden zusammenlaufen zu sehen. Neben meiner durch vielfältige Reisen gefestigten Liebe zu Italien liegt meine physische Heimat im Rheinland, in dessen Kulturszene ich tief verwurzelt bin. Dort studierte ich aufbauend auf mein Kunstgeschichtsstudium Kunstvermittlung und Kulturmanagement, um meine Kenntnisse in den operativen Bereich hinein zu erweitern. Auf meinen beruflichen und privaten Kunstreisen versuche ich, mir so viele Ausstellungen wie möglich anzusehen, Fotos zu schießen und meine Eindrücke festzuhalten. Dabei ist es mir ein Anliegen, meine Leidenschaft für die Kunst und das Gefühl, welches sie mir vermittelt, auf andere Menschen zu übertragen.

Ich bin bunt, vielfältig und voller Begeisterung für Kunst und Sprache und genau so möchte ich auch diesen Blog gestalten.

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Kunst kann eine Axt sein, um Denkmuster, Handlungsweisen und gesellschaftliche Gefüge aufzubrechen. Sie kann leise sein und sie kann laut sein, kann unseren Sehgewohnheiten entsprechen oder sie komplett verwerfen, kann gefällig sein oder uns tief im Innern erschüttern. Manchmal ist sie aufdringlich, immer eindringlich. Sie vermag es, Gefühle, Erkenntnisse, Erfahrungen, die unter der Oberfläche verborgen sind, freizusetzen. Egal, ob nun ein kräftiger Hieb genügt, die Dämme brechen zu lassen oder ob Schlag um Schlag Risse erzeugt werden, die sich ausbreiten und in eine Flutwelle münden. Dieser Blog beschreibt das, was in mir im Angesicht der Kunst zum Vorschein kommt. Dieses Erleben möchte ich weiterreichen und in der Rezeption erfahrbar machen, doch angesetzt werden muss die Axt mit eigener Hand.

Titelbild Blog: Jackson Pollock: „Number 32“, 1950, © Pollock-Krassner Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2020.

  • Ein Jeder ein König – Stephan Balkenhol
    Denkt man an Stephan Balkenhol kommen dem mehr oder weniger Kunstinteressierten zunächst dessen Figuren im öffentlichen Raum in den Sinn, die zuweilen fast omnipräsent anmuten. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht der Mensch. Erfolgreich zum Markenzeichen etabliert, pflegt der Mann mit weißem Hemd und schwarzer Hose als Inbegriff des Durchschnittsmenschen ein nomadenhaftes Dasein im Werk des Künstlers und markiert den Beginn der Ausstellung. Dieser steht stellvertretend für einen jeden von uns, durch Balkenhol symbolisch auf den Sockel gehoben. Nicht weit entfernt findet sich ein nackter König mit goldener Krone, der Herrscher über ein Luftschloss, niemand besonderes, nur einer wie jeder andere.
  • Diary 02
    Was ist aus der Diskussion um dritte Orte geworden, frage ich mich. Sollten Museen doch ähnlich wie Bibliotheken neben dem Zuhause und der Arbeit einen Ort des gesellschaftlichen Diskurses bilden. Diese Orte sind nun geschlossen und Galerien bleiben geöffnet. Sicher, es geht um wirtschaftliche Existenzen und es sind wichtige Räume, in denen die Kunst sichtbar bleibt. Aber geht es bei geschlossenen Museen nicht um unser aller Existenz? Die Existenz unserer Stadtgesellschaft?
  • Day 01
    Museumsbesuche sind gefährlich geworden, vielleicht waren sie es auch schon immer, können sie doch in gewisser Weise zu Brandstiftern des Geistes werden. Umso mehr lechzt die Seele nach Zerstreuung, nach einer Flucht in die Traumräume der Kulturschaffenden. Wohin sonst mit all den Gedanken und Gefühlen, wenn die Orte der Hoffnung geschlossen sind? Wie alle Kulturorte befindet sich auch das KAI 10 im Hafen derzeit im Dornröschenschlaf, schlummert aber hinter den Mauern eine Ausstellung mit Sprengkraftpotenzial.

1 Kommentar

  1. Martina 15. Oktober 2020

    Einfach großartige Beiträge, wundervoll beschrieben, vielen Dank!

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